No-Code-Robotik rückt die Fabrik enger zusammen

Koenig & Bauer und RobCo verknüpfen Drucktechnik mit modularer Robotik, um manuelle Schritte in der Weiterverarbeitung zu automatisieren. Im Mittelpunkt steht nicht das einzelne Druckwerk, sondern der gesamte Ablauf zwischen Materialzuführung, Verarbeitung und Palettierung. Für Produktions- und Logistikbereiche ist das relevant, weil sich Effizienz, Personalbedarf und Prozessstabilität vor allem an den Schnittstellen entscheiden.

Automatisierung verlagert sich in die Peripherie der Produktion

Die Kooperation zielt auf Bereiche, die in vielen Produktionsumgebungen lange als schwer zu automatisieren galten: Zwischenschritte außerhalb des eigentlichen Kernprozesses. Koenig & Bauer will mit RobCo jene Aufgaben digital und robotergestützt abbilden, die zwischen Druck und Weiterverarbeitung liegen. Dazu gehören unter anderem Materialflüsse, Handhabungsschritte und das Palettieren am Ende der Linie.

Der fachliche Kern dieser Entwicklung liegt in der Verbindung von Branchenwissen und flexibler Robotik. RobCo bringt eine No-Code-Plattform ein, mit der sich Roboteranwendungen ohne tiefere Programmierkenntnisse konfigurieren und anpassen lassen. Das senkt die technische Einstiegshürde und macht Automatisierung für Anwendungen zugänglich, die bislang als zu komplex galten.

Warum der Postpress-Bereich im Fokus steht

Koenig & Bauer legt den Schwerpunkt ausdrücklich auf den Postpress-Bereich, also auf die Weiterverarbeitung nach dem Druck. Dort entstehen in der Praxis häufig Medienbrüche, manuelle Übergaben und zeitliche Verzögerungen. Genau an diesen Stellen gehen Produktivität und Prozesskontinuität verloren.

Die Partnerschaft adressiert damit ein zentrales Thema für industrielle Abläufe: Ein leistungsfähiger Maschinenpark allein reicht nicht aus, wenn die nachgelagerten Schritte nicht durchgängig automatisiert sind. Erst wenn auch Zuführung, Übergabe und Endverpackung ineinandergreifen, entsteht ein zusammenhängender Workflow. Für Betriebe bedeutet das potenziell weniger Stillstand, geringere Abhängigkeit von manuellen Tätigkeiten und eine bessere Planbarkeit der Abläufe.

Organisatorische Antwort auf Fachkräftemangel und Kostendruck

Koenig & Bauer ordnet die Partnerschaft in einen größeren Wandel der Fertigungsindustrie ein. Genannt werden unter anderem Margendruck und der Mangel an Fach- und Hilfskräften. Beide Faktoren erhöhen den Druck auf Unternehmen, Prozesse robuster und effizienter zu gestalten.

Die strategische Konsequenz ist eine breiter gedachte Automatisierung: Nicht nur einzelne Maschinen sollen verbessert werden, sondern komplette Produktionsketten. Das Unternehmen positioniert sich dabei als Anbieter, der nicht nur Technologie liefert, sondern End-to-End-Abläufe mitgestalten will. Für Kunden aus Druck und Verpackung kann das bedeuten, dass Investitionen stärker entlang des Gesamtprozesses bewertet werden müssen als nur nach Maschinenleistung.

Factory & Machine Automation wird zum internen Hub

Damit der neue Ansatz in verschiedenen Geschäftsbereichen wirksam wird, hat Koenig & Bauer die Einheit Factory & Machine Automation als konzernweites Automatisierungs-Hub geschärft. Diese Einheit soll die flexible Automatisierungsarchitektur koordinieren und als Schnittstelle zwischen Technologie, Anwendung und Kundenprojekten dienen.

Diese Struktur ist für operative Organisationen bemerkenswert, weil sie auf zentrale Steuerung bei gleichzeitig hoher Anpassungsfähigkeit setzt. Der Konzern will damit unterschiedliche Anforderungen aus einzelnen Märkten und Anwendungen zusammenführen. Das ist vor allem dort relevant, wo standardisierte Lösungen an ihre Grenzen stoßen und kundennahe Anpassungen notwendig sind.

Mensch im Prozess statt Technik im Sondermodus

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedienbarkeit. Der Ansatz der sogenannten Zero-Barrier-Automation zielt darauf, dass Mitarbeitende vor Ort automatisierte Prozesse selbst steuern können, ohne auf spezialisiertes IT-Wissen angewiesen zu sein. Die Technologie soll sich an die Arbeitsorganisation anpassen, nicht umgekehrt.

Für den Alltag in Produktionsbetrieben ist das ein wichtiger Punkt. Wenn Automatisierung schneller eingerichtet und einfacher verändert werden kann, sinkt der Aufwand für Implementierung und laufende Anpassungen. Gleichzeitig können Teams flexibler auf neue Aufträge, Materialwechsel oder veränderte Prozessanforderungen reagieren. Genau diese Anpassungsfähigkeit wird in volatilen Märkten zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.

Erste Umsetzung ist für 2027 vorgesehen

Die Partnerschaft ist offiziell besiegelt, die erste Kundeninstallation ist für das erste Quartal 2027 geplant. Damit bleibt der Ansatz zunächst in einer Vorbereitungs- und Umsetzungsphase. Für die Industrie ist diese Zeitschiene relevant, weil sie zeigt, dass es nicht um einen kurzfristigen Pilotversuch, sondern um eine mittelfristig angelegte Entwicklung geht.

Entscheidend wird sein, wie sich das Zusammenspiel aus Robotik, No-Code-Software und branchenspezifischem Prozesswissen in der Praxis bewährt. Die Zielrichtung ist klar: Aus einzelnen Automatisierungsinseln soll ein integriertes Produktionssystem werden, das vom unbedruckten Substrat bis zur versandfertigen Ware reicht.

Zusammenfassung: Auswirkungen der Koenig & Bauer RobCo Partnerschaft

  • Koenig & Bauer und RobCo wollen manuelle Zwischenschritte in der Weiterverarbeitung mit No-Code-Robotik automatisieren.
  • Der Schwerpunkt liegt auf dem Postpress-Bereich, wo Schnittstellen häufig Produktivität und Prozessstabilität begrenzen.
  • Die erste Kundeninstallation ist für das erste Quartal 2027 geplant; organisatorisch stützt ein zentrales Automatisierungs-Hub die Umsetzung.

Was Operations-Profis wissen sollten

Die Partnerschaft zeigt, dass Automatisierung in industriellen Prozessen zunehmend dort ansetzt, wo bisher viele manuelle Übergaben und variable Arbeitsabläufe zusammenkommen. Für Operations, Produktion und Logistik ist das besonders relevant, weil sich dort Kosten, Durchlaufzeiten und Prozessqualität stark gegenseitig beeinflussen. Wenn solche Schnittstellen automatisiert werden, verändert sich nicht nur die Taktung der Anlage, sondern auch die Anforderungen an Personalplanung, Materialfluss und Prozesssteuerung.

Im Tagesgeschäft rückt damit die Fähigkeit in den Vordergrund, Abläufe als zusammenhängendes System zu denken. Einzelne Maschinen oder isolierte Automatisierungsprojekte reichen laut der Stoßrichtung dieser Entwicklung nicht aus, wenn nachgelagerte Schritte weiterhin manuell bleiben. Für Unternehmen entstehen daraus Handlungsfelder in der Integration von Produktion und Weiterverarbeitung, in der Qualifizierung von Mitarbeitenden für einfach bedienbare Systeme sowie in der Bewertung von Investitionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Gleichzeitig zeigt der Ansatz, dass technologische Komplexität ein zentrales Umsetzungshemmnis bleibt. Lösungen, die ohne tiefes Spezialwissen angepasst werden können, können die Abhängigkeit von knappen IT- und Automatisierungsressourcen verringern. Für Unternehmen mit Fachkräftemangel oder hohem Variabilitätsdruck ist das ein operativ wichtiger Punkt. Die Entwicklung sollte daher vor allem unter dem Gesichtspunkt beobachtet werden, wie schnell sich solche Systeme in reale Produktionsumgebungen übertragen lassen und wie gut sie sich in bestehende Prozesse einfügen.

Quelle: König & Bauer Presseinformation

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