Warum neue Regeln für Verpackungen die Kunststoffindustrie revolutionieren könnten

Die Europäische Kommission hat kürzlich einen wegweisenden Pilot vorgestellt, der den Verpackungssektor ins Zentrum neuer Marktregeln stellt. Diese Initiativen zielen darauf ab, den Sektor widerstandsfähiger in Bezug auf die erhöhte Nachfrage nach Rezyklaten zu gestalten und fairere Wettbewerbsbedingungen zu fördern. Verpackungen spielen eine entscheidende Rolle in der europäischen Kunststoffwirtschaft und sind besonders von regulatorischen Anforderungen betroffen. Der geplante Circular Economy Act, der ab 2026 in Kraft treten soll, fordert jetzt kurzfristige Maßnahmen zur Stärkung der Kreislaufführung von Kunststoffen in diesen Produkten. Die europäische Recyclingindustrie steht unter Druck und sieht sich zunehmenden Herausforderungen gegenüber, die ihre zentrale Rolle bei der Umsetzung dieser neuen Vorgaben gefährden.

Verpackungen sind mit einem Anteil von rund 50 % die größte Anwendung von Kunststoffen in der EU. Allerdings werden lediglich ca. 13 % der Kunststoffabfälle in neue Kunststoffe umgewandelt. Diese bedenklichen Zahlen verdeutlichen das ungenutzte Potenzial, das in einem stärkeren Fokus auf Recycling und Beschaffung hochwertiger Rezyklate steckt. Die neuen Verordnungen, die die Recyclingquoten erhöhen und verbindliche Quoten für Rezyklate festlegen, zielen darauf ab, die Nachfrage nach hochwertigem Recyclingmaterial zu steigern. Gleichzeitig hat die Branche mit hohen Energiekosten und sinkenden Preisen für Neuware zu kämpfen.

Einheitliche Regeln für den Handel mit Rezyklaten

Eines der wichtigsten Elemente des neuen Pilotprojekts sind unionsweite End-of-Waste-Kriterien für mechanisch recycelte Kunststoffe. Diese sollen die Handelsbedingungen und den Gebrauch von Rezyklaten innerhalb der EU verbessern. Ziel ist die Schaffung eines echten Binnenmarktes für diese Materialien, der administrative Barrieren beseitigt und eine zuverlässige Versorgung mit qualitätsgesichertem Recyclingmaterial gewährleistet. Dies wird insbesondere für Verpackungen, die in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, entscheidende Planungssicherheit bieten.

Harmonisierte Regeln für chemisches Recycling

Zusätzlich plant die Kommission, erstmalig harmonisierte Massenbilanzregeln für chemisch recycelte Kunststoffe einzuführen, die insbesondere die PET-Rezyklatquoten für Getränkeflaschen gemäß der Einwegkunststoffrichtlinie betreffen. Diese neuen Regelungen bieten der Verpackungsindustrie mehr Klarheit darüber, inwieweit chemisch recycelte Kunststoffe auf die vorgeschriebenen Rezyklatanteile angerechnet werden können. Damit sollen Investitionen in innovative Recyclingtechnologien angestoßen und Engpässe bei geeigneten Rezyklaten verringert werden.

Schutzmaßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen

Ein weiterer Aspekt des Plans sind Maßnahmen zur Bekämpfung unlauterer Importpraktiken, die insbesondere den Markt für Verpackungsrezyklate beeinträchtigen. Künftig werden strengere Nachweispflichten für importierte recycelte Kunststoffe gefordert, insbesondere bei Materialien, die für den Lebensmittelkontakt bestimmt sind. Zudem sind spezielle Zollcodes für Rezyklate geplant, um zwischen Neuware und Recyclingmaterial zu differenzieren, was die Wettbewerbsbedingungen für europäische Recycler und Verpackungshersteller verbessern soll.

Investitionen in eine zirkuläre Verpackungswirtschaft

Die Kommission beabsichtigt auch, Investitionsimpulse zu setzen, die dem Verpackungssektor zugutekommen sollen. Durch die Schaffung transregionaler Kreislaufwirtschafts-Hubs sollen Recycling, Verpackungsherstellung und Abfallwirtschaft besser vernetzt werden, um Skaleneffekte zu realisieren. Die Forschung und Entwicklung im Bereich recyclingfähiger Verpackungen sowie der Einsatz von Rezyklaten in kritischen Anwendungen werden weiterhin durch EU-Programme gefördert. Damit soll der Verpackungssektor als Vorreiter in der europäischen Kunststoffkreislaufwirtschaft etabliert werden.

Zusammenfassung der neuen Vorschriften für den Verpackungssektor

  • Einführung von End-of-Waste-Kriterien für mechanisch recycelte Kunststoffe zur Schaffung eines Binnenmarktes.
  • Harmonisierung der Massenbilanzregeln für chemisch recycelte Kunststoffe zur Klarheit über gesetzliche Quoten.
  • Maßnahmen zum Schutz europäischer Recycler vor unlauteren Importpraktiken und Investitionsanreize für zirkuläre Lösungen.

Was Operations-Profis wissen sollten

Die Initiative der Europäischen Kommission zur Transformation der Verpackungsindustrie ist aus mehreren Gründen für Operations-Manager von Bedeutung. Die Einführung einheitlicher Regeln für Rezyklate wird die Handelsbedingungen verbessern und möglicherweise die Kosten für Rohmaterialien senken. Um die Chancen zu nutzen, sollten Operations-Profis die neuen Vorschriften genau verfolgen und ihre Supply-Chain-Strategien entsprechend anpassen.

Langfristig gesehen könnten klare Regularien und Investitionen in Recycling-Technologien den Wettbewerbsvorteil von Unternehmen stärken, die sich frühzeitig auf nachhaltige Lösungen konzentrieren. Außerdem müssen Betriebe ihre Prozesse daraufhin überprüfen, welche Abfallstromoptimierungen möglich sind, um sich den neuen Anforderungen anzupassen. Unternehmen, die proaktiv auf die Veränderungen reagieren, können sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile betonen und sich somit in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt behaupten.

Robert Reseneder – Interim Manager und Mentor
Tel. +49 175 265 6522

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Beitrag EU-Kommission startet Kunststoff-Pilot
Quelle: packaging journal

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