Warum Technologie allein nicht ausreicht – der Weg zur operativen Exzellenz
In der Welt des Operations Managements wird oft über Technologie als Lösung für alle Probleme diskutiert. Doch was passiert, wenn diese Technologie nicht die gewünschten Ergebnisse liefert? Der entscheidende Faktor liegt in der Interaktion zwischen Technologie, Verhalten und Management. Erst wenn diese drei Komponenten harmonieren, können Unternehmen nachhaltige Verbesserungen erzielen. Dies wird besonders deutlich bei der Implementierung neuer Technologien, wo trotz vieler Investitionen häufig kaum Fortschritt erkennbar ist.
Das Beispiel des Andon-Systems ist bezeichnend. Viele Unternehmen streben danach, Prozesse wie bei Toyota zu optimieren und investieren in Andon-Systeme, die Probleme signalisieren sollen. Obwohl diese Systeme technisch funktionsfähig sind, bleibt der erwartete Effekt oft aus. Die Operatoren zögern, das Signal zu aktivieren, weil sie keine schnelle Reaktion erwarten oder sogar Druck verspüren, die Arbeit nicht zu unterbrechen. In der täglichen Praxis wird das Andon-Signal nicht ernst genommen; es wird zu einer Art „Lean-Wallpaper“ – attraktiv, aber in der Praxis irrelevant.
Diese Herausforderungen sind längst nicht nur auf den Fertigungsbereich beschränkt. Auch im Büroalltag sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen IT-Initiativen und digitale Werkzeuge implementiert wurden, ohne dass sich die zugrunde liegenden Prozesse verbessert hätten. Viele Unternehmen haben erlebt, dass, trotz der Einführung neuer Systeme, die tatsächlichen Probleme nicht angegangen werden. Die gemachten Versprechen von Echtzeit-Transparenz und besserer Entscheidungsfindung bleiben oft unerfüllt, wenn Technologie isoliert betrachtet wird.
Mit der aktuellen Welle von KI-Technologien, insbesondere der „schmalen KI“, scheinen die Organisationen wieder in dasselbe Muster zu verfallen. Viele Unternehmen bemühen sich, diese Technologien schnell zu implementieren, ohne klar zu definieren, welches Problem sie konkret lösen sollen. Daher variieren die Ergebnisse von Unternehmen zu Unternehmen stark.
Die Herausforderung besteht darin, dass Technologie allein nicht ausreicht, um echte Veränderungen zu bewirken. Das Potenzial der verfügbaren Technologien wird erst dann vollständig ausgeschöpft, wenn sie effektiv in bestehende Verhaltens- und Managementprozesse integriert werden. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Wahrnehmung von Technologie als der einfachere zu verändernde Aspekt irreführend sein kann.
Im besten Fall können technisch gut integrierte Lösungen signifikante Verbesserungen erzielen. Ein einfaches Produktionsboard, verbunden mit einem klar strukturierten Standup-Meeting, kann beispielsweise die Kommunikation verbessern und Probleme frühzeitig an die Oberfläche bringen. Die Verbindung von Technologie mit klar definierten Verhaltensänderungen und Managementprozessen ist also entscheidend für den Erfolg.
Zusammenfassung der Einflussfaktoren auf die Implementierung von Technologie
- Technologie allein hat oft nicht den gewünschten Einfluss, wenn sie nicht in Verhaltens- und Managementprozesse integriert wird.
- Häufige Herausforderungen sind unklare Problemstellungen und eine mangelhafte Verbindung zur täglichen Arbeit.
- Erfolgreiche Implementierungen basieren auf klaren Maßnahmen zur Verhaltensänderung und Managementintegration.
Was Operations-Profis wissen sollten
In der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt ist es für Operations-Profis von größter Bedeutung, die Wechselwirkungen zwischen Technologie, Verhalten und Management zu verstehen. Der wichtigste Aspekt ist die Erkenntnis, dass Technologie nur dann einen nachhaltigen Einfluss hat, wenn sie richtig in die bestehenden Prozesse und Kultur eingebettet ist. Um dies zu erreichen, sollten Operations-Profis die folgenden Schritte in Betracht ziehen:
- Definieren Sie genau, welches spezifische Problem die neue Technologie lösen soll.
- Bestimmen Sie, an welcher Stelle im Arbeitsablauf die Technologie verwendet wird und wer sie bedienen wird.
- Identifizieren Sie die Verhaltensänderungen, die nach der Implementierung der Technologie erwartet werden.
- Integrieren Sie die Technologie in die bestehende Managementstruktur und legen Sie fest, wie die Ergebnisse geprüft werden.
Die Konsequenzen für das Tagesgeschäft sind bedeutend. Nur durch eine gezielte Planung und Einbindung aller drei Komponenten entsteht ein System, das nicht nur technisch effizient, sondern auch prozessorientiert und auf kontinuierliche Verbesserung ausgelegt ist.
Robert Reseneder – Interim Manager und Mentor
Tel. +49 175 265 6522
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Beitrag Lean AI Journal | Technology Is the Easy Piece of the Equation: Impact = Technology × Behavior × Management
Quelle: The Lean Post